Übungsraum, schalldichte Kabine mit Tageslicht

Do-it-yourself Aufnahmekabine

Ich habe meinen Aufnahmeraum aus einfachen, vergleichsweise preiswerten Materialien nach akustischen Gesichtspunkten komplett selbst gebaut. Der Raum ist als Raum-im-Raum-Konstruktion angelegt. Im folgenden beschreibe ich den Bau. Vielleicht hilft Ihnen diese Anleitung ja beim Bau Ihrer eigenen schalldichten Gesangskabine oder Ihres Schlagzeug- oder Trompeten-Übungsraumes, vielleicht bekommen Sie Ideen für den Ausbau Ihres Proberaumes.

Meine Kabine ist recht schalldicht und klingt akustisch ausgewogen, außerdem hat sie Tageslicht und eine Aufnahmen nicht störende Lüftung.

Aufnahmeraum, die erste: Der Boden

Marke Eigenbau bedeutet im Idealfall, alle entscheidenden Parameter in der Hand zu haben. Ich habe bereits bei der Grundsanierung des Gebäudes darauf achten können, dass der Untergrund für die Studiobox, ein Estrich, von den Wänden und dem angrenzenden Estrich durch doppelte Randdämmstreifenlagen ringsum entkoppelt ist. Auch habe ich in diesem Bereich auf die Fußbodenheizung verzichtet, zum einen, weil die Rohre eine starre Verbindung ergeben und Schall ganz wunderbar transportiert hätten, zum anderen, weil die Aufnahmekabine selbst noch einen eigenen Boden bekommen hat, durch den die Wärme eh nur äußerst spärlich transportiert worden wäre.

Das kleine Gebäude, in dem sich mein Studio befindet, ist ein nichtunterkellerter Flachbau, der auf typischem Berliner Sand steht. Wenn auf der 100 m entfernten Kopfsteinpflasterstraße LKW oder schwere PKW bremsen, wackelt der Boden. Ferner heulen im nahen Wald (oder der Nachbarschaft) öfter mal Kettensägen auf, außerdem möchte ich zu jeder Tageszeit ungehört Schlagzeug spielen können. Genau solche Schallquellen und Erschütterungen wollte ich abfangen und das ist auch gelungen.

Der Boden der Raum-im-Raum-Konstruktion ist das erste, was ich gebaut habe, aus Restmaterial. Auf dem Estrich liegt zunächst in 50x50cm-Quadrate zerlegt mit jeweils 2 cm Abstand eine 8 mm starke Gummimatte. Sie besteht im wesentlichen aus Gummigranulat, vergleichbar diesen in Baumärkten angebotenen Matten für Waschmaschinen, in meinem Fall nur etwas dünner. In kleinere Teile zerlegt habe ich die Matte, damit der Raum eine minimale Unterlüftung erfährt, für den Fall, dass trotz 10cm Bodendämmung (Styrodur) unter dem Estrich Kondensfeuchtigkeit auftreten sollte.

Hier eine schematische Übersicht:

u:labor, Berlin: Aufnahmekabine: schematischer Aufbau


Auf der Gummiunterlage liegt als erste schallisolierende Schicht 16 mm Spanplatte, durch Nut und Feder verbunden. Darauf habe ich eine stabile Lattenkonstruktion geschraubt (Dachlatte 4x6), die den oberen Boden trägt. In den Boden habe ich einen Kabelkanal eingebaut, mit Öffnungen seitlich zum Wanddurchlass Richtung Regie und nach oben dort, wo später in der darauf stehenden Wand die Anschlussbox eingelassen sein soll. Alle Nähte und Fugen habe ich mit Dichtmittel abgedichtet (Acryl oder Silikon, egal, das billigste taugt, man sieht es nie wieder).

In diese Rahmenkonstruktion habe ich Schlacke geschüttet, die sich in Altbauten als Schallisolation bewährt hat und die hier mal bei einem Durchbruch durch eine Wohnhauszwischendecke abfiel. Zum einen erhöht die Schlacke die Masse, zum anderen schließt man so aus, dass die doppelwandige Konstruktion sich wie ein Resonanzkörper verhält. Außerdem drückt sich der obere Boden so bei Belastung nicht durch, weil er fest aufliegt. Auf die Lattenkonstruktion habe ich noch weiche 2mm-Styrodur-Trittschalldämmung als Streifen gelegt, vor allem, um auch den oberen Boden wirklich dicht abschließen zu lassen: die Streifen füllen Unebenheiten im Rahmenholz prima aus.

Darauf habe ich dann 20 mm Spanplatte als Deckel geschraubt, die Schrauben dabei in einem relativ engen Abstand (10 cm) gesetzt. Die obere und die untere Platte unterscheiden sich also in Dicke und spezifischem Gewicht, wodurch verschieden hohe Frequenzen absorbiert werden. Ein Prinzip, das ich auch für den Aufbau der Wände berücksichtigt habe. Optimale Schalldämmung erreicht man immer durch Kombination verschiedener Materialien.

Die Wände mit Elektrik und Lüftung

Alle Wände habe ich als Segmente gebaut und dann miteinander verschraubt. Der Aufbau von außen nach innen ist zunächst:

  • 10 mm Fermacell-Platte, an den Segmentgrenzen überlappend
  • Balken- und Lattenkonstruktion (Querschnitt 8x8), sämtliche Nähte abgedichtet; es gibt zur Stabilisierung Kopfbänder und Querhölzer, die gleichzeitig ein Schwingen der Platten minimieren sollen

Praktischerweise habe ich zuerst jeweils die Rahmenkonstruktion gebaut und darauf die äußeren, also die Fermacell-Platten geschraubt. In diesem Zustand habe ich sämtliche Segmente Schritt für Schritt miteinander und am Boden verschraubt und die Fugen abgedichtet. Der Abstand zur eigentlichen Raumwand beträgt dabei ca. 2-3 cm. Um potentiellen Raumwandkontakt der Studioboxaußenseiten zu vermeiden, habe ich auf Höhe der Segmentbasis Abstandhalter aus Gummi neben den Boden der Box gelegt und an die Segmente oben außen immer ein dickes Stück Randdämmstreifen geschraubt.

Warum habe ich nicht einfach zB. Steinwolle und Rigipsplatten direkt an die vorhandenen Wände geschraubt?

Das kann man machen, aber man muss dabei bedenken, dass man uU. Kältebrücken an Stellen schafft, die man nicht einsehen kann. Wenn der Taupunkt ungünstig in der Wand liegt, holt man sich Schimmel ins Haus und merkt es nicht. Deshalb habe ich für mich entschieden, dass die Aufnahmekabine ringsum belüftet sein muss.

Strom

Dann habe ich 230V-Leitungen verlegt mit dem Ziel, an allen Wänden ausreichend Steckdosen und Lichtauslässe zu haben. Die Stromzuführung erfolgt von außen über zwei getrennt abgesicherte Steckdosen vom ursprünglichen Raum aus. Besonderheit hier: Das Segment an den Zuleitungen (mittleres Segment rechts) ist auch bei fertig aufgebauter Box relativ einfach herausnehmbar, die Außenüberlappung zeigt beidseitig in Richtung dieses Mittelsegments und wurde ausnahmsweise nicht verschraubt, verschraubt wurde nur die innere Überlappung. So kann man zum einen an die Zuleitungen kommen, falls das doch mal nötig sein sollte, zum anderen liegen direkt dahinter in der Wand die Wasserleitungen für das Badezimmer nebenan und diese wären bei einem Schaden von dieser Seite aus leichter zugänglich.

An den vorgesehenen Positionen für Lampen habe ich in den Segmentrahmen zusätzliches Holz als Verstärkung in Form von Klötzen oder kleinen Platten verschraubt, damit hier später Lampen einfach und ohne Hohlraumdübel angeschraubt werden können. Beim Verlegen der Leitungen habe ich sämtliche Positionen der Kabel und Hölzer vermessen und notiert, damit ich bei der Montage der inneren Platten mit den Schrauben ausschließlich auf Holz treffe.

Alle Segmentanschlüsse sind ebenfalls abgedichtet. Da, wo der Kabelkanal aus dem Boden kommt, gibt es einen extra Holzrahmen in der Wand, der als Abgrenzung vom Dämmmaterial dient und in dem später die Anschlussbuchsen Platz finden sollen. Außerdem geht von hier aus bereits eine Leitung an die Stelle außen neben der Box-Tür, an der später das Aufnahme-Licht hängen soll. Ferner habe ich daran gedacht eine Klingelleitung für ein Klingellicht in die Box zu legen, falls ich mal alleine in der Box aufnehme und jemand draußen schellt.

Lüftung

Schalldichter Raum, das heißt, wenn man sich so durchs Web liest, oft auch luft- und lichtdicht. Das wollte ich so auf keinen Fall, man sollte sich in dem Raum wohlfühlen und auch länger aufhalten können. Also haben die hintere und die vordere Wand Luftdurchlässe, die ich verwinkelt über eine gewisse Strecke in der Wand geführt habe. In diese Luftkanäle habe ich kleinere Kanäle aus unterschiedlichen Restmaterialien gebaut, nachdem ich mir auf Wikipedia das Prinzip des Schalldämpfers angeschaut hatte. Die Lüftungskanäle selbst sind zusätzlich innen mit Gummi und Resten von Trittschallplatten aus Filz ausgekleidet und von außen mit Filz ummantelt. Außerdem habe ich alle Lüftungsgitter mit einem Fliegennetz versehen.

Mein Plan war, eine passive Lüftung zu ermöglichen, die wenig Schall hinein und hinaus lässt. Inzwischen kann ich sagen, dass das mit dem Schall funktioniert, der Schalldämpfer filtert überraschend viel heraus. Das mit der Luftzirkulation über reine Thermik funktioniert jedoch nicht (oder nur sehr träge), weshalb ich mittlerweile vor den hinteren Luftkanalauslass von innen einen alten, leisen Computerlüfter gehängt habe, der die Luft von hinten einsaugt. Der Lüfter läuft über ein Netzteil und lässt sich via Widerstand und Schalter in zwei Geschwindigkeiten betreiben.

Damit er so leise wie möglich dreht, habe ich den Lüfter an Gummibändern fixiert und so vor das Austrittsloch aus der Wand gehängt. Direkt darüber ist einer der Helmholtz-Resonatoren platziert (mehr dazu weiter unten), dadurch ist der Lüfter nicht zu sehen, weil er leicht zu verblenden war. Er ist in der niedrigen Stufe tatsächlich auch nicht hörbar. Bei einem reinen Übungsraum kann man sicherlich auf Lautstärke vermeidende Maßnahmen verzichten, das kam für mich aus naheliegenden Gründen aber nicht in Frage.

Ein Vorteil der aktiven Lüftung ist auch, dass die Luft rund um den Aufnahmeraum leicht zirkuliert. Würde ich die Aufnahmekabine allerdings noch mal bauen, hätte ich den Ventilator an das Stromnetz angeschlossen und auf die Netzteil-Lösung verzichtet.

Wanddämmung

Dann habe ich die Wände mit Steinwolle 8cm (mindestens) ausgestopft. Man kann gerne etwas mehr reinquetschen, auch das minimiert Schwingungen der Platten. Abschließend, nachdem das Dach montiert wurde (siehe unten) habe ich rundum 13 mm-Spanplatten aufgeschraubt, deren Bohrungen und Aussparungen für Steckdosen, Licht und NF-Leitungsanschlüsse ich vor dem Verschrauben angelegt habe.

Das Fenster zur Regie

Im mittleren Segment der linken Seite (gegenüber dem Segment mit den 230V-Zuleitungen) ist ein Fenster an der Stelle eingelassen, an der ich bereits an der Zwischenmauer zur Regie ein Fenster mit zweifacher Verglasung eingebaut hatte. Zwischen Aufnahme und Abhöre liegen jetzt also (übertriebene) 4 Scheiben. Alle Scheiben liegen nicht parallel zueinander, um Schwingungen in den Hohlräumen einzugrenzen. Die innere Scheibe in der Aufnahmebox ist zudem so gekippt, dass Schall eher nach unten gelenkt wird. Die Fensterrahmen habe ich jeweils aus 18 mm starken Leimholzbrettern gebaut. Leimholz, weil es sich nicht so leicht verzieht. Alle Seiten wurden lackiert, damit keine Feuchtigkeit ins Holz gelangt und es so maßhaltig bleibt. In den Bretterrahmen habe ich 10 mm starke Leisten (lackiert) geklebt und genagelt. Die Breite der Leisten variiert dabei, damit die Scheiben nicht parallel zueinander stehen. Die Scheiben (6 und 8 mm dick) habe ich gegen diese Leisten gedrückt und dann mit transparentem Silikon eingeklebt, abschließend (auch aus optischen Gründen) mit dünnen 5x5 mm Leisten gesichert. Zwischen Fenster in der gemauerten Wand und Fenster in der Box habe ich rundherum einen Rahmen aus Schaumstoff gequetscht, damit sich hier kein Staub sammelt, denn putzen werde ich an dieser Stelle nie mehr.

Das Dach

Das Dach der Box ist dreigeteilt und hat als Besonderheit im mittleren Segment ein Fenster (Mehrscheiben-Isolierglas mit Aluminiumrahmen, 1 € bei Ebay) und ist schräg von links nach rechts fallend geneigt, damit Licht vom Dachfenster darüber nicht nur in die Aufnahmekabine, sondern auch durch die Glasbausteine in der Badezimmerwand nach eben dort gelangen kann. Alle Dachsegmente sind darüberhinaus von hinten nach vorne um ca. 5° geneigt, um der Dachschräge des Flachbaus zu folgen. Diese verwinkelte Konstruktion ist aufwändig, hat aber den Vorteil, das Parallelitäten (und damit Resonanzen) im Raum vermieden werden und die Akustik sich über so viel Abwechslung freut.

Das Fenster im Mittelsegment ist zu öffnen (nach innen), das ist auch sinnvoll, denn es sammeln sich dort regelmäßig tote Fliegen, die sich in den Ausschnitt des Dachfensters darüber verflogen haben. Da es sich bei dem Kabinenfenster um eines von der Stange handelt, war es relativ leicht in die Holzkonstruktion einzuschrauben.
Ich habe außerdem an dieser Stelle versteckt ein LED-Farbwechsel-Atmolicht an den Licht-Deckenauslass des eigentlichen Raumes angeschlossen, so dass man bei Dunkelheit von oben farbiges Licht in die Studiobox bekommen kann.

Die Segmente habe ich jeweils einzeln gebaut und aufgrund der Schwere in diesem Fall mit Nachbarshilfe (Danke, Axel!) auf die Wandkonstruktion gestemmt. Dieser Schritt kommt in der Chronologie vor der inneren Fertigstellung der Wände, aber ich wollte hier im Blog eine thematische Gliederung. Alle Segmente habe ich wie schon bei den Wänden miteinander verschraubt und die Fugen (auch am Fenster) abgedichtet. Für die Verschraubung der Dachteile mit den Wänden habe ich vorher ausgemessen, was die größtmögliche Schraubenlänge ist, die ich so knapp unter der Decke noch von oben eingeführt bekomme. Das hat letztlich auch die Gesamthöhe der Kabine bestimmt, das Kabinendach endet ungefähr 5 cm unterhalb der Raumdecke.

Damit die Dämmung vor der Montage der inneren Platten nicht wieder herunterfiel, habe ich Spannstreifen zwischen die Balken getackert, die die Steinwolle halten. Als Spannstreifen habe ich diese flachen Kunststoffbänder genommen, die industriell oft verwendet werden, um Waren oder Verpackungen für den Transport zusammenzuhalten. Anschließend habe ich wieder 13 mm Spanplatten aufgeschraubt.

Die Tür

Ich habe zunächst überlegt, eine Doppeltürkonstruktion zu bauen und den Rahmen aus gut abgelagertem Kiefernholz entsprechend gefräst und zusammengesetzt. In der Praxis hat es sich aber so ergeben, dass der Raum bereits mit nur einer Tür ausreichend schalldicht ist, weshalb ich auf die äußere Tür verzichtet habe.

Der Rahmen besteht aus sehr genau ineinander passenden Teilen, die ich nach exaktestmöglicher Ausrichtung mit den anliegenden Wandsegmenten verschraubt habe. Die wenigen kleinen Hohlräume habe ich wie üblich ausgefüllt, die Fugen abgedichtet. In den Rahmen habe ich links, oben und rechts eine Nut für eine dicke Gummidichtung eingefräst. Die Dichtung für unten ist in die Tür eingelassen (siehe Foto). Die Tür muss (mindestens) zweifach überlappen, entsprechend sieht das Rahmenprofil aus. Ich mache mir immer für alles Zeichnungen, das sollten Sie als ambitionierter Nachbauer ebenfalls tun. Die Türschwelle hat noch mehr Fräsungen bekommen, weil ich die Kanten mit Aluminiumprofilen abgedeckt habe, die mit dem umgebenden Holz bündig abschließen.

Die Tür selbst besteht wie die Wandsegmente aus einer Rahmenkonstruktion mit aufgeschraubten, verschieden dicken Platten. In diese Platten ist analog zur Fensterkonstruktion ein Fenster eingebaut. Der äußere Rahmen der Tür besteht aus 8x8 Leimholzbalken. Die bekommt man nicht unbedingt im Baumarkt, aber im gut sortierten Holzfachhandel. Die Tür muss zum einen verzugsarm und zum anderen stabil sein, sie wird recht schwer werden. Diese Balken habe ich zunächst dem Türrahmenprofil entsprechend gefräst. Als Toleranz habe ich mir 5 mm erlaubt. Die Tür muss auch ein wenig Spiel haben, denn sonst wird das Öffnen und Schließen immer ein Kampf gegen den Luftdruck. Auf der Scharnierseite ist die Tür zusätzlich mit Balkenholz verstärkt. Ich habe wegen des hohen Gewichts 3 Scharniere (von Simonswerk) verbaut. Die Scharniere bieten in begrenztem Umfang die Möglichkeit, die Tür im eingebauten Zustand auszurichten.

Fotos ab diesem Zeitpunkt und für die folgenden zwei Monate habe ich leider sowohl von der Hauptfestplatte, als auch vom Backup gelöscht (nie wieder automatische Synchronisation!). Gemerkt habe ich es erst beim Schreiben dieser Zeilen, also 3 Jahre später. Deshalb sehen Sie das Türinnere noch in der unverstärkten Version und müssen auf die bildliche Dokumentation der nachfolgenden Schritte leider verzichten. Ich habe aber noch Fotos der fertigen Recordingbox gemacht und damit ergänzt.

Test der Akustik

Die Akustik eines kleineren Raumes kann man sehr leicht und schnell ohne weitere Hilfsmittel testen, indem man einfach Sirenentöne singt. Also mit der Stimme den tiefstmöglichen Ton zum höchstmöglichen ansteigen lässt, bzw. umgekehrt. Dabei hört man recht schnell, ob und wo ungefähr sich Resonanzen bilden und ob eine akustische Verbesserung nötig sein dürfte.

Im nackten Zustand klang mein Raum durchaus brauchbar, also nicht unangenehm, hatte aber ein paar Auffälligkeiten. Um diesen auf den Grund zu gehen und den Klang gezielt optimieren zu können, habe ich nach dem Gesangstest ein Messmikrofon, einen Speaker und weißes Rauschen genommen, um die Frequenzen oder Frequenzbereiche genau zu bestimmen. Dabei habe ich eine Reihe von potentiellen Aufnahme-Mikrofonpositionen ausgewählt und die Ergebnisse nach Auffälligkeiten in einer Tabelle notiert. Aus Interesse habe ich diese Testreihen sowohl mit einem Klein&Hummel-O98-Speaker und einem Behringer Aktivmonitor durchgeführt. Im Ergebnis waren die Speaker relativ egal, drei Frequenzen stachen dabei an nahezu allen Positionen heraus (+/- 146, 295 und 355 Hz), diese bin ich mithilfe von Absorbern und Resonatoren angegangen.

Solche Resonatoren und Absorber kann man schon mit nur leichtem handwerklichem Geschick kostengünstig selber bauen, am Ende dieses Textes finden Sie dazu auch noch ein paar Links.

Helmholtz-Resonatoren

Der Effektivität wegen habe ich zunächst, wieder aus Restmaterial, sogenannte Helmholtz-Resonatoren, oder, wie man sie auch landläufig nennt, Bassfallen oder Bass Traps gebaut. Ein Helmholtzresonator ist im Prinzip ein beliebiger Hohlkörper mit einem Loch (also auch Flasche, Kanister, Fass) und hat abhängig von einer Reihe von Maßen eine bestimmte Resonanzfrequenz. Das ist die Frequenz, die absorbiert wird. Hat man also die zu bekämpfende Frequenz, muss man das Volumen, Loch- oder Löchergröße und -tiefe berechnen und kann danach einen Resonator bauen. Ich verweise an dieser Stelle für genaue Vorgehensweise an unten stehende Links. Meine Resonatoren habe ich, Parallelitäten vermeidend, hinten links und vorne rechts in die Ecken gebaut. Sie haben also eine dreieckige Grundform. Dazu habe ich Rahmen aus Leisten an die Wände und darauf die abschließende Platte mit den Löchern sowie in die Ecken Deckel und Boden geschraubt. Den Lochquerschnitt habe ich so gewählt, dass Baumarkt-HT/KG-Rohrstopfen auf die Löcher passen, falls die Frequenz aus welchem Grund auch immer mal leicht angepasst werden müsste.

Unterhalb der beiden Helmis sind die Luftauslässe für die Lüftung, am hinteren mit dem Lüfter, der Luft von außen einsaugt. Die ungenutzten Hohlräume ober- und unterhalb der Bassfallen habe ich ausgestopft. Und schon sind wir thematisch beim

Breitbandabsorber

Auf die beiden Helmholtz-Resonatoren habe ich mehr oder weniger auf Kopfhöhe noch einen weiteren Rahmen und eine Abschlussplatte als Regalbrett gesetzt und den Hohlraum mit in Mülltüten doppelt und absolut luftdicht verpackten Dämmwollresten ausgestopft. Vor dem Verschluss der Tüten habe ich die Wolle zusammengepresst, um mehr Material unterbringen zu können. Zur Kaschierung habe ich einen Rahmen mit Mollton bespannt und davor geschraubt. Diese Absorber schlucken eine ganze Menge Frequenzen im Mittenbereich, lassen aber dank der Plastiktüten im Höhenbereich noch etwas zurück.

Unter das Stichwort Breitbandabsorber fallen auch die „Papierabsorber“, die ich in einige Innenkanten der Vocalbooth gebaut habe. Papierabsorber, weil es schlicht Regalbretter sind, auf denen willkürlich Bücher in allen möglichen Größen stehen. Papier schluckt wunderbar und gleichzeitig dienen die Buchrücken als Diffusoren.

Plattenresonator

Da die 146 Hz-Spitze je nach Messposition mal leicht darüber, mal leicht darunter lag, habe ich mich hier entschieden, einen Plattenresonator mit Dämpfung zu bauen. Einen Absorber also, der die gewünschte Frequenz plus ein wenig drumherum filtert. Ein Plattenresonator oder Plattenschwinger ist eine geschlossene Kiste mit einer Membran. Parameter sind hier Länge, Breite und Tiefe, sowie die Masse und Beschaffenheit der Membran. Man baut also einen Kasten aus etwas stabilerem Material und leimt als Deckel diese Membran darauf.

Die Kiste besteht aus 16mm-Spanplatte. Als Membran habe ich mich für 4 mm Sperrholz (Pappel) aus dem Baumarkt entschieden (gibt es in Platten zu 125 cm x 62,5 cm). Je schwerer die Platte, desto tiefer die Resonanzfrequenz. Als erstes habe ich diese Platte deshalb exakt vermessen (Maße stimmten ausnahmsweise wie im Baumarkt angegeben) und gewogen, um das spezifische Gewicht in Kilogramm pro Quadratmeter herauszubekommen, denn das bestimmt alles weitere. Die Fläche der Membran ist letztlich frei wählbar, praktischerweise sollten aber keine Kantenlängen unterhalb von 50 cm gewählt werden. Zur Bedämpfung habe ich an die Rückwand der Kiste von innen Steinwolle in 4 cm Stärke mit Verpackungsbändern fixiert (wie die Steinwolle an der Decke der Kabine). Dadurch wirkt der Schwinger etwas breiter.

Dem Kasten habe ich dann noch einen Sockel spendiert, damit man nicht mit Füßen vor die Membran tritt. Die Außenseite des Sockels habe ich mit einem Teppichrest beklebt, das Innere mit Stoffresten ausgestopft.

Achtung, im Netz kursieren eine Reihe von Formeln zur Berechnung der Resonanzfrequenz, teilweise unvollständig, teilweise falsch, meist mit einer variierten Konstante, oft ohne Einheiten oder Bezüge. Schwierig. Ich habe nach längerer Suche einen exzellenten Abstract von Mick Feuerbacher gefunden (Link unten), der sich genau mit dieser Problematik auseinandersetzt. Die Formel wird Schritt für Schritt anhand einer Reihe von Größen erarbeitet. Mit dieser großartigen Hilfe habe ich meinen Resonator gebaut, er funktioniert einwandfrei.

Reflektionsminderung und Diffusion

Abschließend habe ich mir aus Resten (Leisten, altem Lattenrost, Brettern, Sägeabfällen) noch Diffusoren gebaut, mit dem alleinigen Ziel, den Schall zu verteilen und Erstreflektionen anders zu gewichten. Ich weiß, hier kann man ebenfalls viel Wissenschaft betreiben, Der Interessierte mag gerne hier oder hier nachlesen, was da zu Primzahlen etc. steht. In meinem Fall habe ich mich aufs Praktische beschränkt und eher Brettstärken und die Breite meiner Fräßköpfe berücksichtigt als die ganz feine Mathematik. Wichtig ist, dass man vermeidet, immer nur ein bestimmtes Maß und seine jeweiligen Vielfachen zu verwenden. Wenn man also beispielsweise mit der Oberfräse bei jedem Durchgang unterschiedlich tief in ein Brett fräst, die Abstände der Fräsungen willkürlich gestaltet und als Fräsköpfe möglichst unterschiedliche Formen verwendet, ist man auf einem guten Weg.

An der hinteren Wand habe ich eine Sauerkrautplatte, wie der Volksmund sagt, befestigt. Gibt es unter dem Markennamen Heraklith und wird als Putzträger verkauft, ich hatte (und habe, hat wer Interesse?) noch Reste von einem Umbau. Die sehr grobe Struktur streut den Schall wunderbar. Ich kenne Menschen und Studios, die sich aus diesem Material ganze Cluster in verschiedenen Stärken zusammengestellt haben. Bei meiner Raumgröße war das jedoch weder nötig noch sinnvoll.

Schließlich habe ich einen Teppich auf dem Boden verlegt und einen Rest davon an eine Klappe an der Wand geklebt. Diese Klappe in der hinteren rechten Ecke ist wie eine Tür. Mein Gedanke war, die eine Seite diffus zu machen und die andere glatt zu lassen, um Reflektionen flexibel gestalten zu können. In der Praxis ist die Auswirkung jedoch so gering, dass ich die Klappe mittlerweile wie eine Schranktür dauerhaft in die Ecke klappe und dahinter Stative aufbewahre.

Als letzte Maßnahme habe ich an einigen Stellen Noppenschaumstoff mit Heißkleber aufgeklebt, um den Nachhall im oberen Frequenzbereich noch etwas zurückzunehmen. Auch zum Thema Akustikschaum findet man im Netz lustige Beispiele, teilweise sind die Aufnahmekabinen so dick und rundum mit Schaumstoff ausgekleidet, dass der verbleibende Höhenanteil sich wahrscheinlich wie die norddeutsche Tiefebene gestaltet: keine Höhen weit und breit. Machen Sie Ihren Raum nicht akustisch „tot“! Mal abgesehen davon, dass das Raumgefühl sehr beklemmend ist, sie rauben Ihren Aufnahmen die Chance, auch nur ansatzweise lebendig zu klingen, weil der handelsübliche Noppenschaum eben nur im oberen Tonbereich wirkt. Fairerweise muss man erwähnen, dass es durchaus Situtionen gibt, in denen man einen Raum ohne jeglichen Nachhall wünscht. Entsprechende Räume bekämpfen den Nachklang aber über den gesamten hörbaren Frequenzbereich. Wenn Sie in Berlin sind, gehen Sie mal in diesen großen, dreieckigen Raum im ehemaligen Rundfunkgebäude der DDR an der Nalepastraße.

Schön machen

Abschließend habe ich allen Kanten Winkelleisten aus Kiefernholz beschert, zB. auch der Heraklith-Platte oder dem Dachfenster. Außerdem habe ich am seitlichen Fenster zum Einsprechen von Texten einen nach unten wegklappbaren Tisch an die Wand geschraubt und direkt dahinter senkrecht den Kopfhörerverstärker in die Tischplattenverlängerung zur Wand eingelassen. Der Verstärker hat als Staubschutz einen Deckel bekommen.

An zwei Wände habe ich kurze Edelstahl-Tischbeine geschraubt, dort hängen die Kabel und Kopfhörer (ein weiteres Tischbein gibt es im Eingangsbereich als Garderobe). Dann noch Gitarren und Beckenhalter an die Wand. Und Licht. Der Beckenhalter ist übrigens eine simple Stockschraube, auf der die Becken mittels Flügelmutter gesichert werden. Damit die Becken hier bei Aufnahmen nicht schwingen, hängt meist eine Fleecejacke darüber. Aus dem selben Grund decke ich das Schlagzeug bei Nichtbetrieb mit einer Wolldecke ab (und entspanne den Snare-Teppich).

Und weil es im Aufnahmeraum nicht nur einen Ethernet-Anschluss gibt (ua. um Aufnahmen selbst fernsteuern zu können), sondern auch, weil ich Traditionalist bin, eine TAE-Telefonbuchse, habe ich noch ein Wählscheibentelefon hineingestellt. Jetzt ist die Kabine gleichzeitig Aufnahmezimmer, Telefonzelle und vielleicht sogar Beichtstuhl, aber das habe ich noch nicht testen können.

Zack, fertig!

(Bauzeit: ca. 5 Wochen)

Ich freue mich über Kommentare unter diesem Beitrag!

Ergänzungen

Nach der Installation einer Solarthermieanlage sind noch Aluminiumprofile mit Mutterführungen übrig geblieben, vergleichbar mit Rackschienen. Zwei Meterstücke habe ich an die Decke des Raumes geschraubt und M10-Muttern so geschliffen, dass sie leichtgängig in der Führung verschiebbar sind. Daran kann ich nun adaptiert Mikrofonstangen schrauben und relativ flexibel platzieren. Als Adapter habe ich diese kurzen Stangen im Versandhandel gekauft, in der Mitte zersägt und in die abgesägten Enden M10-Gewinde geschnitten. Wer neben metrischen auch englische Gewindeschneider im Zoll-Format hat (3/8" BSW, British Standard Whitworth, UNC würde aber auch gehen), kann einfach 10 mm Aluminiumstangen aus dem Baumarkt nehmen. An diese Adapter schraube ich Schwanenhälse in verschiedenen Längen zB. für Overheads und manchmal sogar für Gesang.

Ich habe zudem mal ein zu einem Hocker umgebautes Fass aus Stahlblech geschenkt bekommen, das habe ich komplett mit Stoffresten ausgestopft und in eine Ecke gestellt. Die runde Form und die Masse machen den Gesamtklang nochmals angenehmer. Es ist grundsätzlich eine gute Idee, Rundes auszustopfen und in Ecken zu stellen/hängen/legen. Das können Chips-Packungen sein, Nackenrollen oder Teppich-Pappkerne als Restabfall aus dem Baumarkt, bzw. als Papierrollenkerne aus Zeitungsdruckereien.

Ein paar weiterführende Links

Formeln, akustische Eigenschaften verschiedener Werkstoffe:
https://www.uni-due.de/ibpm/BauPhy/Schall/Buch/Tabellen.htm

Abstract von M. Feuerbacher zur Berechnung von Plattenschwingern
http://dogbreath.de/ -> „The resonance frequency of a panel absorber“ (PDF)

Formelsammlung Raumakustik:
https://schweizer-fn.de/akustik/raumakustik/raumakustik.php

kompletten Resonator online berechnen:
http://www.lautsprechershop.de/tools/t_helmholtz.htm

Wellenlänge berechnen:
http://www.sengpielaudio.com/Rechner-wellenlaenge.htm

Diffusoren:
http://davidbrowne.de/tontechnik-wissen/studio-akustik/diffusor/

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